Gelesen und gesehen

Herzflimmer (Telenovela – 2011)

Posted in Serien by ricardaknits on 8. Mai 2011

Herzflimmern 2011

Ihr könnte mich gerne schlagen, ich oute mich jetzt als jemand, der tatsächlich eine Telenovela gesehen hat. Autsch – ich meine – es versucht hat, ab und an. Sorry, aber ich komme an diese Form der Unterhaltung nicht heran. Das gute Stück heißt Herzflimmern und läuft schätzungsweise vier Wochen und ein wenig über den nachmittaglichen Bildschirm beim ZDF. Man sollte allem ja eine Change geben, dachte ich mir und habe mir einige der Folgen angesehen. Nachdem nun etwas mehr als 20 Folgen gelaufen sind, wage ich mich mal an eine Prognose: Diese Nachmittagsserie wird definitiv nicht alt werden, sollte nicht ein Wunder geschehen, die Protagonisten plötzlich Tiefe entwickeln und einige der Schauspieler wirklich schauspielern lernen. Überraschenderweise nimmt man Caroline Beil die Anästesistin im Trennungsjahr mit Teenager-Tochter am ehesten ab.

Hölzern wirkt ein Großteil der Charaktere. Doch ist das nicht das wirklich Problem an der Serie. Ich habe den Eindruck, dass den Charakteren keine Zeit gelassen wird, sich zu entwickeln. Gleich zu Beginn wird die Hochzeit zwischen der jungen Assistenzärztin und dem in der Seeklinik arbeitenden Sohn der Klinikchefin Lindner aufgeschoben, weil der jüngere Sohn selbiger welcher einen schweren Unfall hatte. Fast muss das Bein amputiert werden, wenn nicht der heldenhafte neue Doktor, der – durch einen dummen Zufall natürlich – gerade vor Ort ist, weil er mit dem juristischen Berater oder Finanzdirektor – er ist der “Fiesling” in der Truppe, der in angedeutete finstere Machenschaften verwickelt ist – etwas Wichtiges zu beraten hat. Selbstverständlich ist der neue Doktor ein psychisches Wrack, mehr oder minder. Jener neue Doktor vertritt selbst redend eine ganz eigene Meinung und entgegen des Rates zweier Kollegen verweigert Frau Dr. Lindner die Amputation des Beines ihres Jüngsten. Muttergefühl kontra Arzt. Dass der neue Doktor Recht hatte, steht nicht wirklich zur Debatte. Allerdings hat dies Folgen. Der neue Doktor bekommt die Stelle, auf die Dr. Lindners Sohn selbst spekuliert hat. Zwischen beiden Männern kommt es natürlich zu Kompetenzgerangel. Warum auch nicht?

Kurioserweise erholt sich der arme, fast amputierte Junge sehr sehr sehr schnell. Nicht einmal eine Verstauchung heilt so schnell ab. Aber, ich bin keine Medizinerin, was weiß ich schon davon. ;)

Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, warum sich ZDF an solchen Daily Soaps versucht. Es ist bei weitem keine Schwarzwaldklinik und an die ARD-Erfolgsserie “IN aller Freundschaft” wird sie vermutlich auch nicht heranreichen. Es wäre eventuell zu überlegen, nicht einen festen Sendeplatz an einem Wochentag zu veranschlagen, die Drehbücher noch einmal in Hinblick Tiefe, Zwischenmenschlichkeit und Logik zu überarbeiten. Wenn sich eine berühmte Fachkraft für Wiederherstellungschirurgie, die – offensichtlich anhand ihrer Bewerbung und ihres Rufe – ein Faible für doch eher kosmetische Chirurgie besitzt, auf eine Stelle für einen noch nicht existenten Fachbereich bewirbt, muss etwas im Busch sein. So naiv, wie die Frau Dr. Lindner in dieser Situation reagiert, schien mir der Charakter gar nicht angelegt. Zweifel wären angebracht, ebenso Erkundigungen und Recherche, zumal es auf Empfehlung eines Juristen kam.

Die Rollen scheinen nicht nur klar verteilt zu sein, sie sind es. Ich habe keinen blassen Schimmer – wobei ich gestehen muss, einige Tage gemacht haben zu müssen -, ob sie die hölzerne Schauspielerin, welche eine der Krankenschwestern darstellen sollte, ausgetauscht oder eingespart haben oder ob sie lediglich in den letzten beiden Folgen, welche ich sah, keinen Auftritt hatte.

Achso, ich vergaß, eine “So gut wie”-Vergewaltigung gab es auch schon.

Ein Urteil kann und werde ich mir nicht erlauben. Ich mag die Sendung einfach nicht. Sie ist mir zu dünn, zu hastig und zu langsam – das schließt sich nicht aus. Auch wenn die Regel bei Serien heißt, dass sie stets einige Folgen als Anlauf brauchen, um zum einen ihr Klientel zu finden und zum anderen, auszuloten, wohin sie eigentlich wollen, klappt es bei dieser Serie nicht. Ihr Problem: Sie kommt täglich, bis aufs Wochenende.

Arztserien, wie “ER”, “Dr. House” … “In aller Freundschaft” funktionieren, weil sie eben nicht täglich kamen und kommen. Der Zuschauer hatte und hat stets das Gefühl, dass eine Episode abgeschlossen ist. Es gibt eine oder zwei konstante Größen, die über die Personnage funktionieren und den Zuschauer bei der Stange halten. Allerdings: Man wird weder übersättigt noch gehetzt. Doch gerade das Übersättigtsein und die Hektik machen diese Serie irgendwie langweilig.

Besonders aufgefallen ist mir einiges an Unlogik: Wieso schaut die Assistenzärztin so verärgert, verstimmt, angesäuert und betrogen, als sie erfährt, dass der neue Chefarzt eine Frau hat und diese in der Klinik auftaucht? Nirgendwo war im Plot angedeutet worden, dass die Assistenzärztin am neuen Arzt interessiert ist. Sie hat weder einen Grund, angesäuert zu reagieren, noch die enttäuschte und betrogene Liebhaberin zu spielen, zumal die Hochzeit lediglich aufgeschoben und nicht aufgehoben wurde.

Also in der Serie stimmt so einiges nicht. Und ich bleibe dabei: Ich bin mir nicht sicher, ob es am allgemeinen Plot liegt, an der Wahrscheinlichkeit, dass zu viele Autoren am Plot dichten oder aber an der teils sehr schlechten Leistung der Schauspieler. Letzteres möchte ich mit Vorsicht schreiben, da ich in diesem Metier nicht zu hause bin und daher möglicherweise etwas falsch sehen und interpretieren könnte. Natürlich ist es weder ein Shakespeare noch ein Goethe oder oder, doch ein wenig mehr Einfühlungsvermögen in die Charaktere wäre schon von Vorteil, sonst wirken sie – wie bisher – blank, stereotyp und das im negativsten aller Fälle.

Vielleicht noch ein kurzer Satz, der meine Einschätzung relativeren mag. Ich bin kein Fan von Daily Soaps, mit “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” kann man mich jagen, “Unter uns” ist mir ein ewiges Rätsel, “Verbotene Liebe” ja, soll im ARD laufen, “Marienhof” und “Lindenstraße” nur dem Namen nach bekannt. Womöglich fällt meine Kritik auch so harsch aus, weil ich eben nicht der Daily-Soap-Konsument bin und mit viel zu großen Erwartungen an die Sache herangegangen bin. Wenn letzteres der Fall ist: Die Fernseh-Götter mögen es mir verzeihen.

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