Kate Morton: “Der verborgene Garten”
Kate Morton: “Der verborgene Garten”
(06. Juli 2011 – 07. Juli 2011)
Wenn auf einem Taschenbuch der Aufkleber “Bestseller” prangt, sträuben sich meine Nackenhaare. Was macht ein Buch oder einen Roman zu einem Bestseller? Ab wann beginnt dieser Rubrik? Wie viele Auflagen muss es gegeben haben und wie viele Exemplare muss eine Auflage umfassen, um zu einen Besteller zu erschaffen? Definiert sich der Bestseller über die Anzahl der Sprachen, in die der Roman übersetzt wurde oder ist es lediglich ein Lockstoff, um potentielle Käufer davon zu überzeugen, dieses und nur dieses Buch beim aktuellen Flanieren durch die örtliche Bücherlandschaft zu erwerben.
Ich habe keinen blassen Schimmer, doch kann ich mir, seit ich dieses Buch in meinem Besitz habe – seit dem 06. Juli um genau zu sein – einen kleinen Reim darauf machen. Die Originalausgabe erschien 2008 in London unter dem Titel “The Forgotten Garden”. Die deutsche Übersetzung stammt von 2009, im Mai 2010 wurde ein Taschenbuch verlegt und heute, 2011, Juli, haben wir die 16. Auflage. Schade, dass die Stückanzahl der Auflage aus dem Impressum nicht hervorgeht, doch beachtlich finde ich es schon.
Kurioserweise bin ich um diesen Roman seit etwa einer Woche herumgeschlichen; habe mir das Cover angesehen, fand es ansprechend und scheute mich dennoch. Als bekennende Liebhaberin der Kinderbuchklassiker von Frances Hodgson Burnett erinnerte mich der Titel sofort an “The Secret Garden”, ohne zu ahnen, dass diese Ähnlichkeit einen Grund hatte. Kurz zuvor hatte ich von den “Lost Gardens of Heligan” gehört und die interessante Geschichte dieser Gartenanlage verfolgt und wie aus dem Verlassenen Anwesen und dem traditionsreichen Garten ein fantastischer botanischer Garten viktorianischen Stils wurde. Ich komme aus einer Region, die diese Fülle an Gartenarchitektur im Laufe der Jahrhunderte nicht hatte. Wenn Schmuckstücke vorhanden waren – was definitiv der Fall war – so haben ihnen die letzten sieben/acht Jahrzehnte nicht sehr gut getan. Vieles wurde vernachlässigt, vieles den pragmatischen Bedürfnissen angepasst und daher ist der eigentlich Grundstock eines historischen Gartens kaum noch zu erkennen.
Ein Blick in das Buch hat mir dann die Kaufentscheidung leicht gemacht. Kate Morton hatte nicht nur eine persönliche Motivation diesen Roman zu schreiben, sondern auch einen bestimmten Schauplatz vor Augen: Einen Garten wie in Heligan, zumindest der Geschichte seiner Vernachlässigung nach. Auch Frances Hogdson Burnett kommt zum Zuge. Sie taucht im Roman auf und selbst die Geschichte der beiden Cousinen Rosa und Eliza erinnert ein wenig, aber auch nur ein wenig an Colin und Mary.
Der Inhalt ist schwer zu beschreiben. Schwierig, da jede Information einen Teil der Geschichte vorweg zu nehmen scheint. Erzählt wird die Geschichte Nell Andrews, die an ihrem 21. Geburtstag erfährt, dass ihr bisheriges Leben eine Täuschung war und sie nicht die ist, die sie seit Jahren glaubte zu sein. Nells 21. Geburtstag fällt ins Jahr 1930, doch die Geschichte beginnt bereits 1913 mit einem kleinen Mädchen, dass sich in einem Versteck aufhält und sich stets vor Augen führt, dass Die Autorin ihr gesagt hatte, sie solle bleiben, wo sie ist und niemandem ihrem Namen sagen. Warum? Diese Frage zieht sich durch den gesamten Roman? Wie kam das kleine Mädchen in sein Versteck, das sich als ein großes Schiff entpuppte, auf dem Weg nach “Amerika”, wie das Mädchen glaubte. Doch das Schiff fährt nach Australien.
Die Geschichte Nells wird nicht kontinuierlich erzählt und auch nicht allein. Mit den Augen von Nells Enkelin begibt sich der Leser im Jahr 2005 au eine Suche nach der Vergangenheit der im Alter von 95 Jahren verstorbenen Nell Andrews. Die Enkelin Cassandra Ryan, eine Mittvierigerin, macht sich auf den Spuren ihrer Großmutter auf die Reise, das Geheimnis ihrer Großmutter zu erkunden. Die Spur führt von Brisban nach England, auf den alten Herrensitz “Blackhurst”, der mehr als ein Geheimnis in seinen Mauern verbirgt.
Die Geschichte ist von einer gewissen Spannung, die nicht dadurch besticht, dass sich Aktion an Aktion reiht, sondern die durch das Gefühl im Leser erzeugt wird, genau so viel zu wissen, wie Cassandra und mit ihr die Spuren zu deuten und herauszufinden, ob die Vermutungen zutreffen oder nicht. Der Leser wird nicht in die Irre geführt oder hat auch nur annähernd den Eindruck von der Autorin an der Nase herumgeführt zu werden. Stückchenweise setzt sich das Puzzle Nell zusammen und am Ende ergibt ein durchaus überraschendes Gesamtbild.
Der Leser erlebt die Geschichte in mehreren Jahren. Kate Morton springt zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts, 1900, 1913/14, 1975 und 2005 hin und her, ohne den Leser zu verwirren. Angenehm übersetzt in einem gefälligen Stil ist es ein Buch, das idealer Lesestoff für den Strand ist. Abends würde ich davon abraten. Gute Bücher haben es an sich, den Leser dazu zu verleiten, nur noch ein Kapitel zu lesen, nur um dann festzustellen, dass aus nur einem Kapitel zehn geworden sind.
Ein fantastisches Buch, das zu kaufen und zu lesen, sich mehr als gelohnt hat.
Apropos Kate Morton: Sie ist eine australische Schriftstellerin, wurde 1976 geboren und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einem Vorort von Brisbane.
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