Gelesen und gesehen

Nora Roberts: „Lilienträume“

Posted in Romantische Literatur by Ricarda Knits on 5. August 2013

Nora Roberts: „Lilienträume“

(gelesen: 31.07.2013-02.08.2013)

"Lilienträume" von Nora Roberts

„Lilienträume“ von Nora Roberts

 

Und weiter geht es mit der fälschlich so bezeichneten „Blüten-Trilogie“, die eigentlich „The Inn at Boonsboro“-Trilogie genannt werden müsste. Es geht weiter mit dem Hotel und seinen Rettern. Kurz nachdem Beckett in Clare endlich die Liebe seines Lebens gefunden hat und mit ihr drei Söhne auf einen Schlag bekommt, merkt auch Owen, dass er in Avery MacTavish, dem rothaarigen Energiebündel, mehr als nur eine langjährige gute Freundin sieht. Dass es erst den Geist vom Boonsboro Inn braucht, um sich darüber klar zu werden, ist eine andere Sache. Für Owen kommt dieses emotionale Zwischenspiel absolut ungeplant. Es steht nicht auf seiner Liste. Aber warum auch? Warum soll in sein wohlgeordnetes Leben nicht ein Hauch an Hektik und frischen Wind kommen?

Das Boonsboro Inn ist beinahe fertiggestellt. Die Managerin, Hope, hat sich als goldrichtig für das Hotel erwiesen und ist gerade für Avery eine wunderbare Stütze in Sachen Owen und emotionalen Rückhalt. Aber mir Avery stimmt etwas nicht, sie hält sich indirekt für „nicht beziehungsfähig“, da sie befürchtet, wie ihre Mutter zu sein. Sie verließ Kind und Mann vor Jahren. Mehrfach hat sie ihren Mann betrogen und auf das Übelste hintergangen. Obwohl Avery in Willy B. ein wundervolles Vorbild und tollen Vater hatte, blieb dieser Schicksalsschlag für sie nicht ohne Folgen. So zieht sie sich bei den kleinen Problemen, seien sie real oder eingebildet, in ihr Schneckenhaus zurück. Beinahe vertreibt sie Owen mit diesem Verhalten, aber nur beinahe.

Um die Montgomerys loszuwerden, bedarf es aber mehr als unverarbeitete Kindheitserlebnisse. Während sich Owen und Avery finden, wird auch ein wenig Licht ins Dunkel des Hausgeistes gebracht. Ein tragisches Schicksal verbirgt sich hinter dem Schleierwesen samt seinem Geißblattduft.

Das Hotel feiert ein wunderbares Softopening, doch damit nicht genug: In Justines, Mutter der Montgomerys, und in Averys Kopf formen sich neue Pläne und Ideen. Warum sollte das Boonsboro Inn das einzige alte Haus sein, dass in neuem Glanz erstrahlt? Beide wissen, dass die kleine Stadt mehr braucht als ein Hotel. Ein Restaurant gleich gegenüber von Averys Pizza halten beide für eine gute Idee. Doch wird sich Avery damit vielleicht übernehmen oder ist Owen etwa dagegen, weil er es ihr nicht zutraut?

Avery ist eine junge Frau, die auf der geschäftlichen Seite tough, aktiv, emanzipiert und realistisch ist. Ihre zierliche Gestalt täuscht. Sie ist ein Energiebündel voller Tatkraft und Ideen. Sie sitzt und steht kaum still. Sie meistert nahezu jedes Problem. Nur wenn es um ihre Mutter geht und die Tatsache, dass sie von ihr verlassen wurde, wird Avery zu einem unsicheren kleinen Mädchen, das von Selbstzweifeln geplagt wird. Zum Glück hat sie ihm organisierten Owen und der nahezu perfekten Hope wunderbare Menschen an ihrer Seite. Achso: Natürlich verschweigt uns Nora Roberts nicht, dass es zwischen Beckett und Clare um die Hochzeitsvorbereitungen geht. Und auch mit Hope ist sie noch nicht fertig.

Ich muss ja gestehen, trotz der wenigen Zeit, die in der Saison zum Lesen bleibt, haben mich die Bücher in ein altes Schema zurück versetzt: Lesen bis die Augen zu fallen, dann tief und traumlos Schlafen und am nächsten Morgen gestärkt aufwachen mit der Frage: Wie geht es weiter und wann kann ich lesen? Dafür fallen beim Morgentee und Toast die Nachrichten weg und die 20 Minuten Frühstückszeit, die ich mir gönne, werden mit Lesen verbracht.

Ein gelungener zweiter Teil und ich bin der Bahnhofsbuchhandlung in dem Fall sehr dankbar, dass sie ihn hatte. Gute Sommerlektüre. Schade, dass Buch 3 in Deutschland erst im November oder Dezember auf den Markt kommt. Doch jetzt möchte ich ungern ins Englische schwenken, da ich nun einmal mit der deutschen Lektüre begonnen habe.

Achso: Das übliche Problem trotz der wunderbaren Übersetzung von Frau Hege. Warum dieser Titel? Das englische Original heißt „The last Boyfriend“ – „Der letzte Freund“, Lilien kommen im Buch definitiv nicht vor, nicht einmal an einer kleinen Stelle.

 

 

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Nora Roberts: „Rosenzauber“

Posted in Romantische Literatur by Ricarda Knits on 4. August 2013

Nora Roberts: „Rosenzauber“

(gelesen vom: 29.07.2013 – 31.07.2013)

Roberts Rosenzauber

„Rosenzauber“ von Nora Roberts

 

Ja, ich gestehe, ich entdecke eine neue Ader an mir: Liebesromane, die nichts, aber auch gar nichts mit Regency zu tun haben. Warum auch nicht?

Alles in allem habe ich mich durch dieses Buch sehr sehr sehr gut unterhalten gefühlt. Ich glaube, dass ich es bestimmt in einigen Jahren noch einmal lesen werden. Es war amüsant, romantisch, nicht kitschig, dafür an einigen Stellen richtig herzig. Die Übersetzung ist angenehm zu lesen, nichts, was irgendwie stilistisch negativ aufgefallen wäre.

„Rosenzauber“ ist der Beginn einer Trilogie von Nora Roberts, die sich um Geschehnisse in der Kleinstadt „Boonsboro“ drehen. Hier leben drei Brüder,  die gemeinsam mit ihrer Mutter ein interessantes Projekt verfolgen. Das erste Steinhaus der Stadt, in dem sich zu Zeiten des Bürgerkrieges ein Hotel befand, soll wieder in neuem Glanz erstrahlen. Es soll etwas Besonderes werden, das es so noch nicht in Boonsboro gab. Dieses Boonsboro Inn soll Touristen in die Stadt locken und diese zum Verweilen einladen. Die drei Brüder sind natürlich sehr attraktiv, groß, athletisch, unterschiedlich in ihrer Art und dennoch ähneln sie einander sehr. Sie führen gemeinsam mit ihrer Mutter, die zehn Jahre vor Beginn der Geschichte ihren Mann verloren hat, ein Geschäft. Wobei man sich nicht so schlüssig ist, ob es ein Architekturbüro, eine Schreinerei, ein Hoch- und Tiefbau oder ein Landschaftsarchitekturbüro ist. Vermutlich eine Mischung aus allem, denn jeder Bruder hat seinen Aufgabenbereich.

Beckett, der jüngste der Brüder, liebt oder schwärmt seit Jahren für Clare, eine junge Witwe und Mutter dreier Söhne. Clare, die ebenso wie ihr im Irak gefallener Mann in Boonsboro aufgewachsen ist, kehrt nach dem schweren Verlust zurück in ihre Heimatstadt und eröffnet einen kleinen Buchladen. Fünf Jahre vergehen, bis Beckett sich endlich eingesteht, dass er definitiv mehr als nur Freundschaft für Clare empfindet. Doch hat Beckett drei Hürden, die er überwinden muss. Zum einen ist sich Clare nicht sicher, ob sie schon bereit für eine ernste Beziehung ist, kann sie nach dem Tod ihres Mannes überhaupt noch Liebe erwarten? Kann sie sich überhaupt noch verlieben oder ist es gar Verrat am Andenken des toten Kriegshelden? Zum anderen sind da die drei Söhne. Beckett muss sich mit den drei kleinen Männern, vor allem dem ältesten Harry (knapp 8) arrangieren. Erst wenn Harry sagt, dass er einverstanden ist, dann darf sich Beckett auch Hoffnungen machen. Und zum dritten ist da noch Sam, Sohn aus reichem Hause, der sich in der Regel nimmt, was er will.

Doch manchmal geht es in alten Gebäuden nicht geheuer zu. So hat auch das Boonsboro Inn seinen eigenen Hausgeist und der hat seine eigenen Pläne.

Es ist kein Geheimnis, dass ein Liebesroman zwischendurch fantastisch ist. Wie schrieb ich im vorherigen Artikel? „Gedankliches Naschwerk“. Nun gut, nur naschen ist nicht gesund, aber wenn man diese Seite seines Geistes zu stark vernachlässigt, kommt der Heißhunger auch hier zur Wirkung. Daher muss es ab und an um Herz-Schmerz gehen. Ich habe zuvor um Nora Roberts einen Bogen gemacht. Zwar weiß ich gar nicht mehr genau, warum, doch ich vermute stark, dass es mit dem inflationären Auftauchen ihrer Romane zu tun hatte und hat. Jedenfalls war wieder einmal die Bahnhofsbuchhandlung und eine längere Zugfahrt schuld am Bücherkauf. Also: landete das Buch in meinem Regal und der zweite Band gleich mit.

Was mir nach Lesen des Buches sofort auffiel: Warum wurde der Titel auf solch abstruse Weise verfälscht? Der Originaltitel heißt: „The Next Always“. Aus „Das nächste Für-Immer“ oder „Das nächste Auf-ewig“ wurde „Rosenzauber“. Nur spielen Rosen absolut keine Rolle in dem Buch, na gut, ein Strauß Rosen taucht irgendwann einmal auf, doch das war es auch. Zudem wurde aus dem Titel der Trilogie „The Inn at Boonsboro – Trilogy“ die „Blüten-Trilogie“. Das ist in meinen Augen der einzige Fehlgriff der schon sehr gelobten Übersetzung. Gerade sehe ich, dass unsere Stadtbibliothek die Bücher unter: BoonsboroInn-Trilogie führt. *yes!*

Das Buch hat mir alles in allem gut gefallen. Eine recht überschaubare und durchaus seichte Geschichte, eben Trivialliteratur, die sich überall ereignen kann. Ich möchte nicht sagen, dass die Personen austauschbar sind, doch können sie durchaus als Stereotypen gewertet werden. Mich die Aufmachung: Geschwister, verwitwete toughe Mutter etc. ein wenig an die Bridgerton-Reihe von Julia Roberts erinnert. Doch weder sie noch Nora Roberts haben diese Idee geboren! Im Gegenteil. Sie liegt auf der Hand und kann auf diverse Zeiten, diverse gesellschaftliche Ebenen bzw. soziale Schichten ebenso übertragen werden, wie jedes „Boy-meets-Girl“. Es ist nichts Neues. Dennoch hat es mich gereizt, das Buch zu kaufen und den zweiten Teil gleich mitzunehmen. Die Kombinationen: Restaurierung eines alten Gebäudes war eigentlich schuld. Der Geist erntete anfangs ein „Naja“, doch die Neugierde auf die Geschichte des alten Hauses und wie es wieder mit Leben gefüllt werden kann, hat gesiegt. Von diesem Aspekt hätte ich zwar gern mehr im Buch gehabt, doch man sieht ja an der Lesedauer, dass das Buch Fresspulver war.

 

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Lucinda Riley: „Der Lavendelgarten“

Posted in Familiengeschichten, Historisierende Literatur by Ricarda Knits on 1. August 2013

Lucinda Riley: „Der Lavendelgarten“

 

Riley Lavendelgarten

Buchhandlungen in Bahnhöfen sind gefährliche Gegenden. Ahnungslose Passanten werden von gesichtslosen Stimmen gelockt, in den Buchladen hineinzugehen. Schweifend, auf der Suche nach „geistiger“ Nahrung oder zumindest gedanklichem Naschwerk, macht sich der Passant daran, die undurchschaubaren Gefilde des Ladens zu erkunden. Dann taucht ein Buch auf, das durch sein Cover und seinen Titel die Neugierde des ahnungslos Suchenden weckt. Er greift nach dem Buch, ohne zu begreifen, warum. Dann liest er den Klappentext und der klingt schon mal sehr interessant. Warum sollte er das Buch also nicht erwerben, denn schließlich liegen einige Stunden Bahnfahrt vor ihm? Also: gekauft.

So ging es mir bei Lucinda Rileys „Der Lavendelgarten“. Schon vor einigen Monate hatte ich das Buch in der Hand und hatte überlegt, ob es mich reizen würde oder nicht. Im Mai legte ich es noch beiseite, da die Zeit eine Lektüre einfach nicht hergab. Vor einigen Wochen jedoch war es anders. Eine längere Bahnfahrt stand an und da kam „gedankliches Naschwerk“ recht gelegen.

Jahrelang hat Emilie de la Martinières darum gekämpft, sich eine Existenz jenseits ihrer aristokratischen Herkunft aufzubauen. Doch als ihre glamouröse, unnahbare Mutter Valérie stirbt, lastet das Erbe der Familie allein auf Emilies Schultern. Sie kehrt zurück an den Ort ihrer Kindheit, ein herrschaftliches Château in der Provence. Der Zufall spielt ihr eine Gedichtsammlung in die Hände, verfasst von ihrer Tante Sophia, deren Leben von einem düsteren Geheimnis umschattet war – einer tragischen Liebesgeschichte, die das Schicksal der de la Martinières für immer bestimmen sollte. Doch schließlich erkennt Emilie, dass es noch nicht zu spät ist, die Tür zu einer anderen Zukunft aufzustoßen …

So liest sich der Klappentext. Warum eigentlich nicht? Eine junge Frau, die sich von Tradition, Gesellschaft und Schubladendenken emanzipiert. Das hört sich doch alles gut an, nicht wahr?  Aber langsam und von Beginn an.

Der Roman beginnt mit der jungen Tierärztin Emilie de la Martinières, die am Totenbett ihrer Mutter nicht nur vor dem Problem steht, was passiert mit den Schulden der Mutter, sondern auch: Was passiert mit dem Erbe? Emilie ist trotz der desaströsen Finanzlage ihrer verstorbenen Mutter, einer Dame der oberen Gesellschaft, alles andere als arm. Der Mangel besteht lediglich an flüssigen Geldmitteln. Was passiert mit dem Haus in der Provence? Was mit dem Haus in Paris? Alles Fragen, die auf die junge Ärztin einströmen. Natürlich ist es klar, dass nach dem Tod eines nahen Angehörigen – egal ob man ihn mochte oder nicht -, eine Phase der Handlungsunfähigkeit kommt. Mancheiner ist wie gelähmt und so geht es auch Emilie. Sie weiß, dass sie Entscheidungen treffen muss, doch dazu ist sie nicht in der Lage. Der rechtschaffende Anwalt, der die Familie seit Jahren betreut und berät, bietet sich der jungen Frau als zuverlässiger Berater an, doch beide werden einfach nicht warm, was schade ist. Emilie ist schwankend, unsicher und irgendwie träge. Das sind zwar Gemütszustände, die ich gerne ihrer derzeitigen Situation zuschreiben möchte, dennoch passen sie kaum zu einer Frau, die sich gezielt gegen Tradition und Gesellschaft entschieden hat, sich ein Leben als Tierärztin fernab von Oberflächlichkeit geschaffen hat.

In dieses Zustand psychischer Labilität taucht ein Fremder auf und der Leser spürt sofort, dass ihm etwas nicht stimmt! Zuvor warnte der Anwalt sie noch, dass der Tod Valéries eine Menge angeblicher Verwandter, verschollener Cousins und Cousinen wie auch lange vergessene Freunde auf die Bidlfläche rief. Und genau in dem Moment taucht ein Mann auf, der eine Galerie in London führt und prompt in der Gemäldesammlung des Herrenhauses einen unsignierten Matisse entdeckt. So weit so gut. Anfangs verhält sich Emilie nachvollziehbar. Sie misstraut dem Fremden, denkt an die Aussage des Anwalts und geht dann kurz mal ins Internet und sucht nach der Galerie. … und genau hier beginnt die Geschichte in der „Gegenwart“ merkwürdig zu werden. Die gegenwärtige Geschichte spielt im Jahr 1998. Google gibt es als Suchmaschine unter dem Namen seit September 1998, den Vorläufer seit 1996. Wann wurde es eigentlich üblich, dass man einfach so ins Internet gehen kann und erwarten darf, dass jedes Unternehmen, jede Agentur oder Galerie, selbst die Bäckerei in Klein Kleckersdorf eine Web-Präsenz hat bzw. man über das Internet erfahren hat, ob es ein Unternehmen gibt, wo es zu finden ist und derlei Informationen? Hat man 1998 nicht eher die Auskunft angerufen oder sich bei einem Anwalt erkundigt? Das hat mich ohnehin zur Weißglut getrieben, dass Emilie die ihr zur Verfügung stehenden Hilfmittel, in dem Fall den Anwalt, so selten um Unterstützung gebeten hat. Er war doch mit allem vertraut … als Familienanwalt. Einiges ist schon etwas arg unrealistisch oder sagen wir mal: zu stark ins Jahr 2013 gezogen.

Aber das ist nicht das Problem an dem Buch. Die Hinführung zur eigentlichen Geschichte, die im Klappentext so nett angekündigt wird, das Geheimnis der Tante Sophia, braucht eine Ewigkeit. Es sind quasi zwei Bücher in einem. Die Autorin hätte gut daran getan, einen Zweiteiler aus diesem Roman zu machen. Potential dazu ist genug im Buch, denn auch wenn das Geheimnis lockt und es sich ewig hinzieht, bis es zum angekündigten Thema kommt, hastest Lucinda Riley durch die Monate hinweg, bis sich Emilie in einer komplett anderen Lage befindet. Die Schulden der Mutter sind getilgt, sie selbst ist verheiratet und hockt nun in England(!) in einem verfallenen Herrenhaus! Natürlich behält sie das Herrenhaus in der Provence und natürlich lief ihr der Fremde vom Beginn nicht ohne Grund über den Weg. Dass mit diesem Mann was nicht stimmt, verfolgte mich eigentlich seit seinem ersten Auftauchen: zu freundlich, zu aalglatt, zu bemüht, zu dienstbeflissen … alles ein wenig too much. Und siehe da, es gibt ihn nicht allein: Er hat einen Bruder, das schwarze Schaf der Familie, der böse Wolf, der charmant um Einlass bittet, die Geißlein geschickt manipuliert und sie schließlich mit Haut und Haar verschlingt. Nun gut. Auch hier hat man als Leser stets den Eindruck: Leute, redet miteinander! Soap-Opera, sage ich nur, das Offensichtliche wird so lange in die Länge gezogen, bis die „Auflösung“ keine „Erlösung“ mehr ist, sondern plump wirkt. Jeder weiß Bescheid nur derjenige, den es etwas angeht, fischt im Trüben. Naja.

Das Geheimnis der Familie de la Martinières führt den Leser schießlich ins Jahr 1943. Er lernt eine junge Frau kennen, deren Mann als verschollen gilt. Aufgrund ihrer Herkunft, sie ist Halbfranzösin, wird sie für einen gefährlichen Einsatz ausgewählt, der sie in die Reihen der französischen Resistance bringen soll. Sehr guter Ansatz, darauf hatte ich beim Lesen eigentlich gewartet, dass etwas Interessantes passiert. Nur … fehlt dieser Binnenhandlung der Kick! Die Aktionen sind vorhersehbar und teilweise würde ich die Handlungsweise der beteiligten Personen als nicht nachvollziehbar beschreiben um nicht zu sagen: unlogisch und inkonsequent. Natürlich könnten Menschen so reagiert haben, die Autorin hat in Fachliteratur recherchiert und ich möchte nicht behaupten, dass es nicht ähnliche Fälle gegeben haben mag, doch scheinen mir die Entscheidungen der Menschen im Buch zum Teil sehr fragwürdig. Eine Agentin sollte wissen, wann sie den Mund zu halten hat und wann sie wie zu reagieren hat. Und genau diese Weitsicht fehlt der Hauptakteurin in der Binnenhandlung.

Es ist ein Roman, ein Liebesroman und er ist nicht mit einem tragischen Ende geschrieben. Soviel sei verraten. Er hat sich rasch und zügig gelesen, trotz der inhaltlichen Schwächen. Diese inhaltlichen Schwächen wiegen jedoch schwer. Emilie hätte ich an mehreren Stellen im Buch heftig durchschütteln mögen, um sie zur Vernunft und auf die richtige Spur zu bringen. Ich habe mal gelesen, dass Lucinda Riley es bevorzugt, starke Frauenfiguren zu kreieren und über diese zu schreiben. Doch gut zwei Drittel des Romans habe ich mich gefragt: Wo sind diese? Ansätze sind da, doch den Großteil der Lektüre habe ich mich gefragt, wie naiv Emilie sein muss, um nicht zu sehen, was vor sich geht. Es genügt nicht, dass eine weibliche Figur in ihrem Lebenslauf ein Studium der Tiermedizin und einen Bruch mit der Familientradition oder einen Ausbruch aus Konventionen stehen hat, sondern man sollte es als Leser auch spüren, dass die Figur intelligent ist, ihre Stärken einzusetzen weiß und ihrem Handeln nach emanzipiert ist, nicht nur dem Namen nach. Es hat mich sehr gestört, wie mit Klischees gespielt wurde: Emilie sei ein wenig zu pummelig, habe aber abgenommen, finde sich selbst eher unscheinbar, um nicht zu sagen hässlich, doch die Herren im Buch, finden sie wunderschön … Entschuldigung, aber das finde ich plump!

Ich habe das Buch übrigens zu ende gelesen, nicht, weil ich wissen wollte, wie es ausging, sondern weil ich irgendwann auch die Rückfahrt mit dem Zug angetreten habe und, daheim angekommen, lediglich noch 50 Seiten zu lesen waren. Also gefällig geschrieben ist es auf jeden Fall. Die Übersetzung ist gut. Doch meinen Geschmack hat der Roman leider nicht getroffen. Die Erwartungen waren wohl zu hoch. Sie wurden nicht erfüllt. Dennoch werde ich der Autorin eine zweite Chance geben. Ihr Erstlingswerk „Das Orchideenhaus“ soll sehr gut sein. Ein Blick in dieses Buch sollte nicht schaden. Aber ich werde hier lieber die Bibliothek vor Ort in Anspruch nehmen und nicht den Verlockungen des Bahnhofshops erliegen.

 

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Dan Simmons: „Illium“

Posted in Phantastische Literatur, Science Fiction by Ricarda Knits on 7. Oktober 2012

Dan Simmons: „Illium“

Ich halte nich viel von Stephen KIng. Ich mag ihn einfach nicht und wenn ein Stephen King einem anderen Autor bescheinigt, er schreibe wie ein Gott, dann hat es für mich keine Bedeutung, für andere ist es Grund genug, ein Buch zur Hand zu nehmen und es zu lesen.

Dan Simmons „Illium“ war für mich ein ambivalentes Lesevergnügen. Es hat gedauert, bis ich mich in den Roman habe einfinden können, da Simmons im ersten Fünftel des Romans keinen roten Faden erkennen lässt. Er springt zwischen drei Ebenen hin und her und die drei Ebenen haben oberflächlich gesehen, rein gar nichts miteinander zu tun. Dass sich das im Verlauf zum Teil ändern wird, ist eine andere Sache. Doch dazu später.

Die Idee an sich, ist super: Der Trojanische Krieg war ein historischer Krieg. Die Götter waren/sind real, die Halbgötter ebenso und Homer war getreuer Berichterstatter mit poetischer Neigung und der Tendenz, das Geschehen auszuweiten durch intelligente Reden und ausschweifende Beschreibungen. Um zu prüfen, ob und inwieweit Homer wirklich treuer Berichterstatter war, finden sich der Historiker und Ilias-Experte Thomas Hockenberry aus den USA des 20./21. Jahrhunderts als Kriegsbeobachter auf dem Schlachtfeld wieder. Da Homers Ilias erst ab dem neunten Kriegsjahr überliefert ist, spart sich Dan Simmons die Geschehnisse vor dem neunten Jahr. Thomas Hockenberry, der die Ilias Wort für Wort kennt, ist dazu in der Lage, jede kleinste Abweichung zu bemerken. So wird deutlich, dass die Grundstruktur des Homerschen Epos stimmt, doch die Helden durchaus gar nicht so ehrenhaft oder wortgewandt sind.

Dem Leser wird rasch klar, dass die Götter aus einer späteren Zeit stammen müssen, da sie über Techniken verfügen, die der moderne Mensch durchaus erklären kann, der Mensch des Altertums als Zauberei ansehen muss. Hockenberry ist nicht der einzige Kriegsbeobachter. Neben ihm gibt es mehrere weitere. Überwacht werden sie durch die Musen. Ohne zu wissen warum und weshalb wird Hockenberry zu einem Werkzeug der Göttin Aphrodite, die ihre Stadt Troja gewinnen sehen will. Sie ahnt eher, als dass sie weiß, dass Troja dem Untergang geweiht ist. Obwohl die Ilias in der Vergangenheit spielte und die Götter offenbar aus der Zukunft kommen, weiß lediglich Zeus, der allmächtige Göttervater, wie die Ilias ausgehen soll. Ihm allein erstatten die Kriegsbeobachter Bericht.

Der Stil der Schlachtfeldepisoden ist eine Frage des Geschmacks. Dan Simmons bedient sich hier des Präsens und will damit vermutlich suggerieren, dass der Krieg jetzt und hier geschieht und keineswegs Vergangenheit ist und der Kriegsbeobachter Hockenberry life von der Front berichtet und keineswegs die Zeit hat, sich nach den Ereignisse hinzusetzen und das Geschehene aufzuschreiben. Insofern ist die grammatische Form angemessen gewählt.

Problem: Die anderen beiden Erzählstränge bedienen sich der Vergangenheit. Diese Diskrepanz im Stil tut dem Buch nicht gut. Man gewöhnt sich zwar an den Wechsel zwischen Präsens und Präteritum/Plusquamperfekt, doch fällt der Bruch negativ auf.

Der zweite Strang macht deutlich, dass sich der Roman an sich in der Zukunft abspielt und wirklich Science Fiction ist und nicht etwa Fantasy mit sci-fi-Elementen. Zwei literaturbegeisterte Roboter befassen sich mit menschlicher Literatur, einer ausgestorbenen Kunstform. Die Begriffe Nachmensch und Altmensch tauchen hier erstmals auf. Die beiden Roboter philosophieren über Shakespeare, Proust und Literatur im Allgemeinen. Sie sprechen bzw. verstehen Englisch ebensogut wie Französisch und haben eine ganz wichtige Mission. Hier wird erstmals deutlich, dass die Erde gar nicht mehr existent zu sein scheint, sondern es um den Mars geht. Die beiden Roboter sind die eigentlichen Verbindungsglieder, die zwischen der Zukunft und der Ilias eine Verbindung herstellen.

Der dritte und interessantes Handlungsstrang betrifft die alten Menschen. Die Altmenschen leben in einem goldenen Käfig, werden von allen Seiten bedient, leiden weder Hunger noch Kälte, können weder lesen noch schreiben, sind weder neugierig noch ehrgeizig, sie frönen mehr oder minder dem Müßiggang und machen sich nur Sorgen um die Tatsache, dass ihnen lediglich fünf mal zwanzig Jahre auf Erden bleiben. Sie bewegen sich von einem Faxportal zum anderen und wenn sie krank werden, sorgt die Klinik in den Ringen dafür, dass sie schon wieder gesund werden. Ihre „Diener“ sind Servitoren und ihre „Beschützer“ sind Voynixe. Die Altmenschen leben in dem Glauben, dass sie nach 100 Jahren auf Erden zu den Ringen auffahren und so zu den Nachmenschen kommen. Sie „wissen“, dass es nur noch eine Millionen von ihrer Art gibt und dass diese Population erhalten bleiben muss, weswegen Geburtenkontrolle zur Normalität gehört. Eine Ausnahme gibt es unter den Altmenschen: Savi, eine wandelnde Frau, welche versehentlich nicht in das System von Faxportalen, Voynixen und Servitoren geraten ist. Eine Frau, die noch lesen kann, von unstillbarer Neugierde ist und nach und nach den Dingen auf den Grund zugehen versucht. Diese Frau Savi ist die interessanteste Figur. Man kann sich mir durchaus identifizieren, jedoch bleiben die Fragen, warum, weshalb und woher bestehen.

Dan Simmons verwirrt den Leser. Dan Simmons lässt ihn im Regen stehen. Dan Simmons erweckt am Ende des Buches den Eindruck sich selbst mit dem „angeblichen“ Finale übertrumpfen zu müssen, damit der Leser auch ja den zweiten Band liest.

Dan Simmons versucht sich in Intertextualität. Die beiden philosophierenden Roboter, Moravencs genannt, könnte durchaus auch Erklärbären sein, denn wenig subtil lässt er die beiden über Shakespeares Werke, seine Sonette, das Problem William Shakespeare vs. lyrischer Will diskutieren, nur um auf die Intertextualität hinzuweisen, die er zu Shakespeares „The Tempest“ aufbaut. Namen wie Prospero, Sycorax und Caliban tauchen bei Simmons auf, Figuren aus Shakespeares Stück. Die Namen und die anfänglichen Verwicklungen in Handlungsstrang „Altmenschen“ auftauchen erinnern an „Ada oder das Verlangen“ von Vladimir Nabokov (Lolita, 1955). Auch Prousts „Die Suche nach der verlorenen Zeit“ wird in diesen Strang aufgenommen.

Wenig subtil, zu auffällig und ungeschickt ist mir „The Tempest“ eingeflochten. Die Dramatik am Ende ist keine Dramatik, sondern sinnfrei herbeigeführte Effekthascherei. Die Erklärung, warum die Ilias in den Roman integriert wurde und wie die Story um den Trojanischen Krieg mit der Geschichte um die Altmenschen verflochten wurde, ist einfach nur banal. Zu banal, um sinnvoll zu sein.

Zwischenzeitlich habe ich den Roman wirklich gemocht, auch wenn es hier nicht so klingt. Gerade die Tatsache, dass vier Altmenschen aus dem goldenen Käfig „auszubrechen“ versuchen, von Neugierde getrieben und auch durch Gruppenzwang in einem Fall und die Faszination des Andersartigen außerhalb des Käfigs, hat etwas. Hätte Simmons diesen Strang kontinuierlich verfolgt und auf Effekthascherei verzichtet, dann wäre das Ende nicht so enttäuschend gewesen. Den Charakteren fehlt einfach die Zeit sich zu entwickeln. Von den Helden der Antike erwartet man keine Entwicklung. Warum Hockenberry aus seiner Rolle herausfällt, liegt auf der Hand, dennoch ist der Anlass lächerlich. Selbst Andromaches Akt, um Hektor zum Bündnis gegen die Götter zu zwingen, ist sinnentstellend.

Deaman, einer der Altmenschen, der lukullische Müßiggänger, am Ende als Handlungsträger? Innerhalb weniger Wochen? Wohl kaum. Einen trägen Geist zu motivieren, braucht längere Zeit. Trauma und Traumabewältigung? Fehl am Platze.

Simmons hätte sich auf den Krieg beschränken sollen und die Story mit den Altmenschen langsamer und bedächtiger in Fahrt bringen sollen. Er hätte die Intertextualität auf die Ilias beschränken sollen. Weniger Stoff in einem Buch wäre mehr gewesen.

Alles in allem: Gute Idee, gute Hinführung, interessanter Umgang mit der Ilias. Was den Rest angeht: Nett. Der Handlungsstrang um die Altmenschen hat enormes Potential. Aber die Auflösung und das Ende? Am Ende entsteht der Eindruck, der Autor habe sich verrannt und wurde seiner eigenen Ideenflut nicht mehr Herr. Es offenbaren sich extreme Mängel, die durch Geduld, Akribie in der Auflösung und geschicktes Taktieren vermieden worden wären. Simmons hetzt durchs Ende. Was immer schlecht ist. Vermutlich hat er es sogar bemerkt, das Buch jedoch zu einem Abschluss bringen wollen. Der Eindruck bleibt jedoch bestehen: Der Mann hat sein Pulver in Illium bereits verschossen. Ob dem so ist, werde ich nicht herausfinden, da ich den zweiten Teil nicht lesen werde.

Da dies mein erster Roman von Dan Simmons war, kann ich nicht begreifen, warum der Autor so hoch gelobt und gepriesen wird. Gute Ideen habe viele, einen guten Einstieg und Handlungsaufbau ebenfalls. Aber in der Gesamtheit ein gutes Buch zu schaffen, vermögen nicht viele.

 

Kate Morton: „Das geheime Spiel“

Posted in Familiengeschichten, Historisierende Literatur, Rätselhaftes by Ricarda Knits on 27. September 2012

Kate Morton: „Das geheime Spiel“

Lange habe ich hier nichts mehr gepostet. Das heißt nicht, dass ich in den vergangenen Monaten nichts gelesen habe. Jedoch war das, was ich las nicht wirklich interessant für andere. Es war in erste Linie Fachliteratur, die ich las und über Fachliteratur möchte ich mich nicht wirklich an dieser Stelle auslassen.

Zwischendurch habe ich auch das eine oder andere gelesen. Darunter war von Kate Morton „Das geheime Spiel“. Da mir ihr Stil bereits bei „Der verborgene Garten“ gefallen hat, habe ich nicht lange gefackelt und mir auch „Das geheime Spiel“ vorgenommen. Nun bin ich eigentlich recht vorsichtig, wenn solche Worte wie „Geheimnis“, „geheim“, „geheimnisvoll“ oder „verborgen“ im Titel eines Buches vorkommen, doch las sich der Klappentext recht angenehm.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommt Grace Bradley als Dienstmädchen ach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace, die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren – vergeblich …

Sofort gekauft, nachdem ich es entdeckt habe, habe ich daheim gleich angefangen zu lesen, bei Regenwetter und einer heißen Tasse Tee, was gibt es besseres dabei, als spannende Lektüre. Mittlerweile habe ich es mir angewöhnt, bevor ich zu lesen beginne, noch einen Blick auf den Originaltitel zu werfen und alles zu berücksichtigen, was vor dem eigentlichen Beginn steht. Ja, ich gehöre auch zu den Leuten, die ein Vorwort lesen und selbst dem Appendix Beachtung schenken. Was innerhalb des Buches über den Inhalt stand, hatte mit dem eigentlichen Klappentext nicht mehr viel zu tun.

England 1924: Während einer rauschenden Party auf dem Landsitz Riverton Manor kommt der junge Dichter Lord Robert Hunter ums Leben. Einzige Zeugen sind die Hartford-Schwestern Emmeline und Hannah, die danach nie wieder ein Wort miteinander reden. Was genau geschah in jener Sommernacht?

Mehr als fünfundsiebzig Jahre lang hütet Grace Bradley das Geheimnis der beiden Schwestern, bis sie nicht mehr die Kraft hat, die Erinnerung an jene Zeit zu verdrängen:

Als vierzehnjähriges Hausmädchen tritt sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg ihren Dienst in Riverton an. Dort beobachtet Grace heimlich die Kinder des Hausherrn beim Spielen. Fasziniert von diesen drei Gestalten aus einer anderen Welt. Schon bald weiß sie mehr über David, Hannah und Emmeline als jeder andere im Haus. Doch aus der stillen Beobachterin wird eine Komplizin wider Willen – und nach jener Sommernacht im Jahr 1924 die Hüterin einer großen Schuld, die sie den Rest ihres Lebens icht mehr loslassen wird …

Das klingt schon ein wenig anders. Das Buch erschien 2006 unter dem Titel „The Shifting Fog“ und wurde für den Diana Verlag von Charlotte Breuer ins Deutsche übersetzt. Es erschien 2007 in Deutschland. Also schon ein wenig älter. Es ist Mortons erster Roman. Tja, leider habe ich damals beim Kauf von „Der verborgene Garten“ das erste Buch nicht gesehen, sondern einfach zugegriffen, weil ich – wieder einmal – Reiselektüre brauchte.

Wie es Kate Mortons Art ist, hat sie die Geschichte in mehrere Teile unterteilt, was nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Die einzelnen Kapitel sind nicht gleichmäßig in ihrem Umfang, was ich angenehm finde. Ich mag es absolut nicht, wenn Romanautoren ihre Romane ins exakt zwanzig Kapitel zu exakt zwanzig Seiten einteilen. Kate Morton ist durchaus auch experimentierfreudig. Da erscheinen Auszüge aus einem Drehbuch von 1998 bis hin zu Zeitungsartikeln aus dem Jahr 1924, 1916 oder 1998, sogar Tourismusbroschüren – dem Text nach – sind enthalten. Es ist durchaus mutig, die Form des Romans im Roman zu verlassen und durch anderen Textformen Aspekte der Handlung sichtbar zu machen. Es ist – in meinen Augen – gelungen.

Die Autorin springt zwischen den Zeiten hin und her, zwischen Gegenwart (1998) und Vergangenheit. Während sie bei „Der verborgene Garten“ keine wesentliche Kontinuität in den Zeiten hat, da drei Epochen zu bewältigen sind, sind es in „Das geheime Spiel“ lediglich zwei Zeiten. Auch das gelingt ihr. Angenehm empfand ich gegen Ende des Romanes das sanfte Gleiten zwischen den Zeiten, was ein Resultat des Alters der Erzählerin ist.

Erzählerin und Hauptakteurin zugleich ist Grace Bradley. Grace wird im zarten Alter von 14 Jahren von der Mutter, einer unverheirateten armen Näherin, auf das nahegelegene Riverton Manor in Stellung geschickt. Die Mutter selbst war einst dort Dienstmädchen, so wird Grace dort gerne von den alten Lordschaften genommen. Das alte Ehepaar, Lord Herbert Hartford of Ashbury und seine Gemahlin Lady Violet haben zwei erwachsene Söhne, die ihrerseits wiederum Familie haben. der verwitwete Frederick, ein Automobilfabrikant, hat drei Kinder, David, Hannah und Emmeline. Der Erbe Major Jonathan ist verheiratet und kinderlos, jedoch erwartet seine Frau ein Kind. Als Grace in Riverton Manor ihren Dienst antritt, sind die Kinder kaum im Haus. Entweder sie sind auf der Schule oder aber in London. Vom Alter her unterscheiden sie sich kaum. David ist zwar schon 17 und damit fast erwachsen, doch die Mädchen und sie sind fast in einem Alter.

Als der Krieg ausbricht, zieht David in den Krieg und damit beginnen die Veränderungen. Bevor er nach Frankreich geht, kommt er nach Riverton Manor und bringt den jungen Robert Hunter mit, ein Schulkamerad, Einzelgänger und als Schwerenöter angesehner junger Mann, doch der Schwerenöter ist gar kein Schwerenöter, sondern ein empfindsamer Mann, der Gedichte schreibt und sehr darunter leidet, wie er in den Kreis des englischen Adels aufgestiegen ist.

Mit der Zeit verschwimmen zwischen Grace und Hannah beinahe die Grenzen. Sie werden zu Vertrauten im weitesten Sinne, denn die Standesunterschiede werden nie zwischen ihnen aufgehoben und auch wenn Hannah ihre Zofe als Vertraute sieht, wie sie nie ihre Freundin. Unausgesprochene Annahmen und falsche Schlüsse führen dazu, dass jeder vom anderen annimmt, ein Geheimnis miteinander zu teilen. Geheimnisse haben beide, doch sind es nie dieselben. Missverständnisse und die Unfähigkeit miteinander zu reden, führen dazu, dass es zum Unglück kommen muss. Manche Geheimnisse entdeckt nur der Leser und zieht die richtigen Schlüsse, die Protagonisten sind dazu nicht in der Lage.

Als problematisch empfinde ich die Einführung der unverheirateten Deborah Luxton. Sie fällt aus dem Rahmen und erscheint mir eher wie ein Konstrukt, um einen Störfaktor ins Spiel zu bringen, der nicht hätte sein müssen. Die Geschichte wäre auch ohne Deborah zum Ziel gekommen. Ebenfalls unpassend empfinde ich Hannahs Unfähigkeit sich gegen das Personal im späteren Haushalt in der Stadt durchzusetzen. Die patente junge Frau, die anfangs einen Hang zur Emanzipation hatte, verliert ihren Schwung im drögen Alltag.

Angenehm und überraschend einfühlsam, ja nahezu elegant und geschickt sind die Passagen, welche in der Gegenwart 1998 bzw. 1999 spielen. Grace Bradley ist mittlerweile 98 bzw. 99 Jahre alt und die Passagen sind wunderbar aus ihrer Sicht geschrieben. Ich muss gestehen, dass ich mir meine eigene Großmutter in dieser Form vorstellen kann, wie sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her gleitet und für das, was der Außenstehende als unlogisch empfindet, logische Gründe liefert. Sehr angenehm und gekonnt. Hier muss jedoch bemerkt werden, dass Kate Morton sich den Weg erleichert, denn wie in einer Art Tagebuch spricht Grace Vieles auf Band. Der Leser bleibt nicht in der Vergangenheit zurück, sondern erfährt auch über das weitere Leben Grace Bradleys einiges mehr. Sie bleibt dem Leser am Ende keine Unbekannte.

Ein großes Manko ist für mich in diesem Zusammenhang, was Aufbau und Erzählweise angeht, der komplette vierte und damit letzte Teil. Grace, die bis dato stets Beobachterin war und damit die Informationen aus erster Hand hatte, hat einen Großteil der Handlung des letzten Teils nicht selbst miterlebt, sondern erzählt bekommen. Das stellt einen zu großen Bruch dar, was einem aufmerksamen Leser auch anhand des Stils auffällt. Meine Vermutung: Kate Morton hat sich in eine Sackgasse geschrieben, aus der sich nicht mehr so leicht herauskam. Um ein Fehlen von einer Woche der Hauptbeobachterin zu überbrücken, avanciert Grace von der Berichterstatterin aus erster Hand zur schlichten Erzählerin von Hörensagen. Das ist nicht wirklich elegant gelöst.

Alles in allem wirkt das Buch rund. Es hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mit dem einen oder anderen nicht ganz einverstanden war. Für den vierten Teil hätte es sicher eine andere Lösung gegeben und auch Deborah ist nicht wirklich notwendig. Sehr gefallen haben mir die Experimente mit den Texten im Text. Schöne Sache. Für mich war das Buch kurzweilig und hat am Ende ein angenehmes, wenn auch leicht melancholisch Gefühl hinterlassen. Die Rätsel sind geklärt. Doch am Ende bleibt eine Frage: Warum lautet der deutsche Titel „Das geheime Spiel“? Die drei Kinder des Herrenhauses spielen ein Spiel, eine Art Eskapismus aus der Realität in eine Welt, zu der nur sie drei Zugang haben. Der englische Titel, „Wechselnder Nebel“ hätte eventuell besser gepasst oder „Der Nebel lichtet sich“ keine Ahnung. Der Bezug zum Spiel der Kinder ist nur bedingt gegeben, während Nebel durchaus auch ein Schleier der Erinnerung sein kann.

Mir hat das Buch gefallen.

 

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Stralsunder Hefte 2012

Posted in Sachliteratur by Ricarda Knits on 14. Juni 2012

„Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur und Alltag“ 2012

Stralsunder Hefte 2012

Stralsunder Hefte 2012

 

Etwas später als im letzte Jahr versammelten sich auch 2012 wieder Geschichtsinteressierte Stralsunder und Gäste in der Weilandbuchhandlung Ossenreyerstraße 13/14, um gemeinsam die Präsentation der aktuellen Ausgabe der „Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur und Alltag“ zu verfolgen.

Dieses Mal ist das Heft um einiges umfangreicher. Es gibg 25 interessante Artikel zu den unterschiedlichsten Themen, die mit Stralsund etwas zu tun haben. Ob es nun ein Aufsatz über Albrecht von Wallenstein ist oder neueste Informationen über archäologische Ausgrabungen in der Stadt, für jeden ist etwas dabei. Sogar Herr Hamel, der im letzten Jahr eine wunderbare Ausstellung zu den nautischen, mathematischen und astronomischen Instrumenten der Sammlung Löwen bzw. des Kulturhistorischen Museums mit aufgebaut und diese mit einen entsprechenden Vortrag begleitet hat, hat einiges über dieses interessante Thema in einem kurzen Aufsatz zusammengefasst und der Redaktion des Heftes zur Verfügung gestellt. Die Ausgabe brilliert wieder mit einer wahren Bilderflut. Anschaulicher kann Stadtgeschichte eigentlich gar nicht sein.

Die Präsentation fand am 12. Juni um 19 Uhr in der Weilandbuchhandlung statt. Der Raum war sehr gut gefüllt und die beiden Vortragenden, Jörg Ansorge und Renate Samariter, die durch Karl Peplow von der Plattdütsch Späldäl unterstützt wurde, haben zur Untermalung des Ereignisses beigetragen. Herr Ansorge berichtete über das aktuelle Ausgrabungsgeschehen und interessante Fundstücke, die bei den diversen Ausgrabungsstellen der Stadt gemacht worden sind und zeigte anhand von Bildern der Fundstücke, in welchen Zustand diese Artefakte sind. Gleichzeitig hob er auch Stralsunds Stellung als „Boom-Stadt“ in Sachen Bau und Ausgrabungen in Vorpommern hervor. An vielen Stellen, ob offensichtlich oder hinter Mauern, sind Stralsunder Archäologen im Einsatz, um die verborgenen Schätze der Stadt zu dokumentieren und zu sichern. Nicht zu vergessen, das Einordnen. Wenn die Rede auf Pilgerzeichen kommt, glänzen seine Augen, denn diese billigen Mitbringsel aus fernen und nahen Pilgerstätten sind sein Steckenpferd. Wenn im Straßendreck von Bielkenhagen in einer 1,50 m dicken Mistschicht ein Pilgerzeichen aus dem Jahr 1300, dem ersten Heiligen Jahr, auftaucht, ist es schon einen kleine Besonderheit für eine Stadt wie Stralsund.

Der zweite Vortrag, gehalten von Frau Renate Samariter war von etwas anderem Ausmaß. Sie berichtete über eine Ausgrabungsfläche, die mittlerweile bebaut ist und deren Häuser mittlerweile auch bezogen sind. Diese Ausgrabungstelle lieferte Informationen über den Dreißigjährigen Krieg. In einem Graben waren zwei Skelette gefunden worden, von Männern, die vermutlich miteinander verwandt waren. Die beiden Männer wurden vermutlich beim Sturm der Kaiserlichen Truppen unter Wallenstein im Jahr 1628 getötet und dann einfach so liegen gelassen und der Graben über ihnen zugeschüttet. Mit sachkundiger Genauigkeit lieferte Frau Samariter ein eindrucksvolles Bild in die Geschehnisse des Jahres und auch die Schwierigkeiten und kleinen Überraschungen, mit denen der Stadtarchäologe konfrontiert wird. Karl Peplow untermalte den Vortrag von Frau Samariter mit Zitaten aus dem Tagebuch des Schottischen Oberst Robert Monroe, welcher vom dänischen König samt Armee zur Unterstützung der Stralsunder in die Stadt am Sund geschickt worden war. Eindrucksvoll war es, als Herr Peplows ruhige, bedächtige und wunderbar kräftige Stimme Monroe sinngemäß zitierte:

„Und Wallenstein war wütend und rief ‚Ich werde diese Stadt in drei Tagen nehmen und sei sie mit Eisenketten an den Himmel geschmiedet‘.“

Im Anschluss an beide Vorträge sprach Dr. Andreas Neumerkel über Neuerungen, mit denen das Heft im kommenden Jahr zu rechnen hat. Nicht nur die Volkshochschule Stralsund, die seit der ersten Ausgabe der Hefte an Bord ist, wird auch 2013 wieder an Bord sein, sondern auch die Volkshochschule Rügen. Da Stralsund und Rügen sowie Vorpommern zu einem Kreis zusammengelegt wurden, wird sich auch am Thema des Heftes einiges ändern. So werden auch Rügen und der Landkreis mit hinzugezogen, sodass im zukünftigen Heft auch Aufsätze über Grimmen oder Putbus oder Kap Arkona, Franzburg etc. auftauchen könnten. Auch der Verlag Digitaldruck Kruse, der seit 2009 das Heft druckt und verlegt, wird wieder an Bord sein. Ohne den Verlag wäre das Unternehmen „Stralsunder Hefte“ nicht zu realisieren. Das Heft erobert neue Regionen, wie es scheint und durch das nicht nachlassende Engagement der Geschichtsinteressierten Stralsunder und Freude der Stadt, wird auch ein Fünkchen Internationalität ins Heft einziehen.

 

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Stieg Larsson: „Verblendung“

Posted in Kriminalfilme, Literaturverfilmungen by Ricarda Knits on 18. Januar 2012

Stieg Larsson: „Verblendung“ Schwedisch vs. Amerikanisch

(Sonntag, den 15.01.2012)

Am Sonntag kam ich in den Genuss, mir beide Verfilmungen kurz hintereinander zu Gemüte führen zu können. Daher hatte und habe ich den direkten Vergleich, der nur dann ideal wäre, hätte ich bereits das Buch gelesen. Das Buch hatte anfangs auf mich keinen Reiz ausgestrahlt. Ich bin keine fanatische Krimileserin, die jede neuen Fall in sich aufsaugt, als bräuchte sie ihn wie die Luft zum Atmen.

Reiz hat das Buch erst jetzt auf mich, da mir durch beide Filme mehrere unterschiedliche Sichtweisen auf die Hauptcharaktere unterbreitet wurden. Wie hat Stieg Larsson eigentlich Lisbeth Salander angelegt? Wie ist der Larsson’sche Mikael Blomquist? Ist er mehr wie Craig Parker oder eher wie Michael Nyquist? Ist die Lisbeth wirklich eine junge Frau, die so dermaßen asozial ist, wie Rooney Mara oder doch eher eine in sich gekehrte realistische junge Frau mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn – nicht Rechtsverständnis – wie Naomi Rapace?

Fragen über Fragen, die nur das Buch lösen kann. Steht auf der Leseliste für dieses Jahr!

Wenn ich direkt gefragt werde, welcher Film mir besser gefallen hat, so fällt das Urteil ganz klar zugunsten der Schwedischen TV-Verfilmung aus. TV deswegen, weil es zwei Varianten gibt. Eine gekürzte Fassung wurde ins Kino gebracht und die längere fürs Fernsehen aufgearbeitet. Sie ist intensiver. Sie ist homogen. Sie glänzt durch Logik und sie glänzt dadurch, dass nicht beim ersten Auftauchen der Schauspieler klar wird, wer hier der Bösewicht ist und wer das Opfer. Rein von der Optik, rein vom Auftreten, rein von Mimik und Gestik ist das bei Hollywood bereits von Anfang an klar. Da liegt mit dem ersten Auftauchen von Stellan Skarsgård (Martin Vanger) und seinem ersten Lächeln bereits auf der Hand, dass er der Bösewicht ist. Wer sonst?

Der Journalist Mikael Blomquist, genannt Kalle Blomquist, wird schuldig gesprochen gegen den Wirtschaftsmagnaten Wennerström üble Nachrede begangen zu haben und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Bis er seine Strafe antreten muss, bleiben sechs Monate Zeit. Wie Blomqist diese verbringt, ist ihm nicht wirklich klar. Entweder er macht als Journalist weiter oder aber er tut nichts. Ein Angebot von Seiten eines zweiten Wirtschaftsmagnaten, Henrik Vanger, enthebt ihn dieser Entscheidung. Vanger selbst recherchiert seit 40 Jahren das Verschwinden seiner damals 16jährigen Nichte, von der er glaubt, dass sie ermordet worden ist. Seit vierzig Jahren bekommt er zu seinem Geburtstag eine getrocknete Blume geschenkt, was zuvor seine Nichte stets getan hatte. So glaubt Vanger, dass der Mörder ein perfides Spiel mit ihm treibt. Mittlerweile ist er 82 Jahre alt und die Zeit zerrinnt ihm unter den Fingern. Da er Blomquist für einen fähigen Journalisten hält und weiß, dass dieser – trotz seines letzten Misserfolgs – zu recherchieren versteht, bietet er ihm an, die sechs Monate bis zum Haftantritt für ihn weiter nach dem Mörder seiner Nichte zu recherchieren, in der Hoffnung, ihm möge etwas auffallen, was er bislang übersehen hatte.

Anfangs weiß Blomquist nicht so recht, was er davon halten soll, bis Vanger ihm die Augen öffnet: Mikael hatte einen Sommer lang mit seinem Vater bei den Vangers verbracht. Das verschwundene Mädchen hatte auf ihn aufgepasst, sie war seine Babysitterin und er hatte sie wohl sehr gern. Nach und nach taucht in seiner Erinnerung auch diese Zeit wieder auf. Ihn packt die Neugierde, was es mit dem Tod des Mädchens auf sich hat.

Blomquist bekommt das ganze Material zur Verfügung gestellt und kann mit der Arbeit beginnen. Er recherchiert und entdeckt anfangs nichts Neues. Er stößt auch zum Teil auf Unverständnis. Dennoch bleibt er am Ball. Unvermutet wird ihm Hilfe aus dem Netz zu teil. Die junge Lisbeth Salander unterstützt ihn und gemeinsam setzen sie das Puzzle zusammen.

Was macht Hollywood? Ganz einfach … es legt die verschlungenen Beweise und verborgenen Hinweise so dermaßen offen zur Schau, dass man sich fragt, wie ein intelligenter Mann mit wachem Verstand und offenen Blick, wie Henrik Vanger, diese Hinweise nicht hat sehen können. In der Schwedischen Verfilmung sind diese Beweise kaum zu erkennen und dennoch vorhanden.

Man kann sagen, dass Hollywood ein wenig plump die Spuren legt und lenkt. Das heißt nicht, dass der Film schlecht ist. Er ist nicht wirklich schlecht. Er hat einiges, doch versprach der Trailer einen anderen Stil.

Kommen wir nun zu Lisbeth. Hollywood macht aus ihr einen kompletten Außenseiter. Ein Mädchen, dass so dermaßen asozial ist, dass man nur zwei Möglichkeiten hat: Man hasst oder man liebt sie. Ich schwanke hier noch. Ich verstehe allerdings nicht, warum man Rooney Mara für den Golden Globe nominierte, denn das war und ist es bei Weitem nicht wert! Sie ist rigoros, sie ist flapsig, sie zeigt keinerlei Regung! Ihr fehlt Menschlichkeit und zu einem kleinen Teil kann man sie skrupellos nennen! Sie ist ein Stereotyp. Die amerikanische Lisbeth ist austauschbar!

Die schwedische Lisbeth hingegen offenbart Menschlichkeit in ihren Regungen. Es wird klar, warum sie an Blomquist interessiert ist. Es wird klar, dass sie die Abgründe der Menschen kennt und sich gegen diese eigentlich zu wapnen weiß. Sie hat ein fundamentales Empfinden für Richtig und Falsch, selbst wenn Richtig nicht unbedingt mit dem Recht vereinbar ist. Sie ist eine junge Frau, mit der man mitfühlen und empfinden kann ohne an eine Stereotype zu denken.

Dass nebenbei noch ein Frauenmörder enttarnt wird, ist eine andere Sache. Wie es getan wird und was mit Harriet Vanger, jenem 16jährigen Mädchen, passierte, schreibe ich hier nicht weiter, falls jemand das Buch noch lesen möchte oder einen der beiden Filme zu sehen wünscht, soll ja nicht alles im Vorfeld verraten worden sein. 😉

Achja: Man kann beide Filme beinahe eins-zu-eins übereinander legen und weiß, dass sich die Amerikaner nicht die Mühe gemacht haben, ein Buch zu verfilmen, sondern sich die Aufgabe stellten, einen ausländischen Film einem amerikanischen Publikum schmackhaft zu machen, indem sie ihn als Remake auf den Markt bringen und alles, was europäisch ist, herausnehmen, um es durch leicht nachzuvollziehende Eineindeutigkeiten zu belegen.

Ich empfehle übrigens den schwedischen Film. Sollte jemand beide schauen wollen: Bitte genau überlegen, ob erst Hollywood und dann Schweden oder umgekehrt. Sollte die Wahl auf nur einen Film fallen, dann bitte Schweden.

Eure Ricarda.

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Kate Morton: „Der verborgene Garten“

Posted in Familiengeschichten, Historisierende Literatur, Rätselhaftes by Ricarda Knits on 7. Juli 2011

Kate Morton: „Der verborgene Garten“

(06. Juli 2011 – 07. Juli 2011)

 

Wenn auf einem Taschenbuch der Aufkleber „Bestseller“ prangt, sträuben sich meine Nackenhaare. Was macht ein Buch oder einen Roman zu einem Bestseller? Ab wann beginnt dieser Rubrik? Wie viele Auflagen muss es gegeben haben und wie viele Exemplare muss eine Auflage umfassen, um zu einen Besteller zu erschaffen? Definiert sich der Bestseller über die Anzahl der Sprachen, in die der Roman übersetzt wurde oder ist es lediglich ein Lockstoff, um potentielle Käufer davon zu überzeugen, dieses und nur dieses Buch beim aktuellen Flanieren durch die örtliche Bücherlandschaft zu erwerben.

Ich habe keinen blassen Schimmer, doch kann ich mir, seit ich dieses Buch in meinem Besitz habe – seit dem 06. Juli um genau zu sein – einen kleinen Reim darauf machen. Die Originalausgabe erschien 2008 in London unter dem Titel „The Forgotten Garden“. Die deutsche Übersetzung stammt von 2009, im Mai 2010 wurde ein Taschenbuch verlegt und heute, 2011, Juli, haben wir die 16. Auflage. Schade, dass die Stückanzahl der Auflage aus dem Impressum nicht hervorgeht, doch beachtlich finde ich es schon.

Kurioserweise bin ich um diesen Roman seit etwa einer Woche herumgeschlichen; habe mir das Cover angesehen, fand es ansprechend und scheute mich dennoch. Als bekennende Liebhaberin der Kinderbuchklassiker von Frances Hodgson Burnett erinnerte mich der Titel sofort an „The Secret Garden“, ohne zu ahnen, dass diese Ähnlichkeit einen Grund hatte. Kurz zuvor hatte ich von den „Lost Gardens of Heligan“ gehört und die interessante Geschichte dieser Gartenanlage verfolgt und wie aus dem Verlassenen Anwesen und dem traditionsreichen Garten ein fantastischer botanischer Garten viktorianischen Stils wurde. Ich komme aus einer Region, die diese Fülle an Gartenarchitektur im Laufe der Jahrhunderte nicht hatte. Wenn Schmuckstücke vorhanden waren – was definitiv der Fall war – so haben ihnen die letzten sieben/acht Jahrzehnte nicht sehr gut getan. Vieles wurde vernachlässigt, vieles den pragmatischen Bedürfnissen angepasst und daher ist der eigentlich Grundstock eines historischen Gartens kaum noch zu erkennen.

Ein Blick in das Buch hat mir dann die Kaufentscheidung leicht gemacht. Kate Morton hatte nicht nur eine persönliche Motivation diesen Roman zu schreiben, sondern auch einen bestimmten Schauplatz vor Augen: Einen Garten wie in Heligan, zumindest der Geschichte seiner Vernachlässigung nach. Auch Frances Hogdson Burnett kommt zum Zuge. Sie taucht im Roman auf und selbst die Geschichte der beiden Cousinen Rosa und Eliza erinnert ein wenig, aber auch nur ein wenig an Colin und Mary.

Der Inhalt ist schwer zu beschreiben. Schwierig, da jede Information einen Teil der Geschichte vorweg zu nehmen scheint. Erzählt wird die Geschichte Nell Andrews, die an ihrem 21. Geburtstag erfährt, dass ihr bisheriges Leben eine Täuschung war und sie nicht die ist, die sie seit Jahren glaubte zu sein. Nells 21. Geburtstag fällt ins Jahr 1930, doch die Geschichte beginnt bereits 1913 mit einem kleinen Mädchen, dass sich in einem Versteck aufhält und sich stets vor Augen führt, dass Die Autorin ihr gesagt hatte, sie solle bleiben, wo sie ist und niemandem ihrem Namen sagen. Warum? Diese Frage zieht sich durch den gesamten Roman? Wie kam das kleine Mädchen in sein Versteck, das sich als ein großes Schiff entpuppte, auf dem Weg nach „Amerika“, wie das Mädchen glaubte. Doch das Schiff fährt nach Australien.

Die Geschichte Nells wird nicht kontinuierlich erzählt und auch nicht allein. Mit den Augen von Nells Enkelin begibt sich der Leser im Jahr 2005 au eine Suche nach der Vergangenheit der im Alter von 95 Jahren verstorbenen Nell Andrews. Die Enkelin Cassandra Ryan, eine Mittvierigerin, macht sich auf den Spuren ihrer Großmutter auf die Reise, das Geheimnis ihrer Großmutter zu erkunden. Die Spur führt von Brisban nach England, auf den alten Herrensitz „Blackhurst“, der mehr als ein Geheimnis in seinen Mauern verbirgt.

Die Geschichte ist von einer gewissen Spannung, die nicht dadurch besticht, dass sich Aktion an Aktion reiht, sondern die durch das Gefühl im Leser erzeugt wird, genau so viel zu wissen, wie Cassandra und mit ihr die Spuren zu deuten und herauszufinden, ob die Vermutungen zutreffen oder nicht. Der Leser wird nicht in die Irre geführt oder hat auch nur annähernd den Eindruck von der Autorin an der Nase herumgeführt zu werden. Stückchenweise setzt sich das Puzzle Nell zusammen und am Ende ergibt ein durchaus überraschendes Gesamtbild.

Der Leser erlebt die Geschichte in mehreren Jahren. Kate Morton springt zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts, 1900, 1913/14, 1975 und 2005 hin und her, ohne den Leser zu verwirren. Angenehm übersetzt in einem gefälligen Stil ist es ein Buch, das idealer Lesestoff für den Strand ist. Abends würde ich davon abraten. Gute Bücher haben es an sich, den Leser dazu zu verleiten, nur noch ein Kapitel zu lesen, nur um dann festzustellen, dass aus nur einem Kapitel zehn geworden sind.

Ein fantastisches Buch, das zu kaufen und zu lesen, sich mehr als gelohnt hat.

Apropos Kate Morton: Sie ist eine australische Schriftstellerin, wurde 1976 geboren und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einem Vorort von Brisbane.

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Stralsunder Hefte 2011

Posted in Allgemeines, Sachliteratur by Ricarda Knits on 13. Mai 2011

„Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur und Alltag“ 2011

Sicher werden sich einige noch daran erinnern, dass ich vor etwas mehr als einem Jahr hier über die Stralsunder Hefte 2010 einige Worte verloren habe. Auch dieses Jahr gibt es wieder eine Ausgabe der noch jungen Reihe. Digitaldruck Kruse aus Stralsund, der Stralsunder VHS und vielen fleißigen Händen, welche am Entstehen der Zeitschrift mitgewirkt haben, ist es zu verdanken, dass diese Reihe in ihr drittes Jahr geht. Hoffentlich werden es noch mehr. Für das Jahr 2012 ist eine Ausgabe geplant und die Autoren sind schon wieder fleißig am Schreiben und Recherchieren.

In diesem Jahr gibt es in der Ausgabe einen Aufsatz über die Pilger, unter anderem, aber auch über die „Dunklen Stunden“ der Stralsunder Kirchen. Wir haben ja drei wunderschöne große Pfarrkirchen und die barocken Hauben wollen so gar nicht zum gotischen Körper passen, obwohl wir es nicht mehr anders kennen. Blitzeinschläge, Funkenflug, Katastrophen haben dafür gesorgt, dass die Kirchen heute nicht mehr ihre gotischen Hauben haben und auch nicht mehr so hoch sind wie einst. Auch zur Volkswerft ist ein Aufsatz drin. Stralsund ohne die Werft ist kaum vorstellbar, schließlich ist sie zu DDR der Hauptarbeitgeber gewesen und ohne die Werft in der heutigen Zeit, würde es um Stralsund schlecht stehen. Schon interessant, was man noch alles über diese Werft lernen kann.

Ein großes Highlight in meinen Augen ist ein Aufsatz über die astronomischen und mathematisch-architektonischen Instrumente, die sich im Besitz des Kulturhistorischen Museums befinden. Es gab eine Sonderausstellung zu diesem Magazinposten und dabei wurden die meisten dieser Gegenstände erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn viele Gegenstände stammen aus der Sammlung Löwen, jener Sammlung, die schwedische Generalgouverneur in Pommern Axel Graf von Löwen 1761 per Testament der Stadt vermacht hat. Die Sammlung musste wenigstens einmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, was auch geschah, allerdings im 18. Jahrhundert. Danach ist Vieles leider in Vergessenheit geraten. Und mit Vergessen meine ich wirkliches Vergessen, man wusste nicht einmal mehr, was dieses oder jenes ist. Es wurde recherchiert, gemutmaßt und schließlich herausgefunden, um was es sich handelt. Wussten Sie zum Beispiel, wie die Architekten es schafften, die wunderbaren Säulentypen zu gestalten? Sie hatten dafür Stäbe, auf welchen sowohl die Proportionen als auch die Maße maßstabsgerecht abgelesen werden konnten. Mich hat es verwundert und gleichzeitig … Klar! Warum sollten sie es sich damals schwer gemacht haben? Schon klasse.

Insgesamt 15 Autoren haben an dieser Ausgabe mitgewirkt und so ist eine schöne Mischung über die Geschichte Stralsunds in Sachen Historie, Kultur und Alltag entstanden.

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Herzflimmer (Telenovela – 2011)

Posted in Serien by Ricarda Knits on 8. Mai 2011

Herzflimmern 2011

Ihr könnte mich gerne schlagen, ich oute mich jetzt als jemand, der tatsächlich eine Telenovela gesehen hat. Autsch – ich meine – es versucht hat, ab und an. Sorry, aber ich komme an diese Form der Unterhaltung nicht heran. Das gute Stück heißt Herzflimmern und läuft schätzungsweise vier Wochen und ein wenig über den nachmittaglichen Bildschirm beim ZDF. Man sollte allem ja eine Change geben, dachte ich mir und habe mir einige der Folgen angesehen. Nachdem nun etwas mehr als 20 Folgen gelaufen sind, wage ich mich mal an eine Prognose: Diese Nachmittagsserie wird definitiv nicht alt werden, sollte nicht ein Wunder geschehen, die Protagonisten plötzlich Tiefe entwickeln und einige der Schauspieler wirklich schauspielern lernen. Überraschenderweise nimmt man Caroline Beil die Anästesistin im Trennungsjahr mit Teenager-Tochter am ehesten ab.

Hölzern wirkt ein Großteil der Charaktere. Doch ist das nicht das wirklich Problem an der Serie. Ich habe den Eindruck, dass den Charakteren keine Zeit gelassen wird, sich zu entwickeln. Gleich zu Beginn wird die Hochzeit zwischen der jungen Assistenzärztin und dem in der Seeklinik arbeitenden Sohn der Klinikchefin Lindner aufgeschoben, weil der jüngere Sohn selbiger welcher einen schweren Unfall hatte. Fast muss das Bein amputiert werden, wenn nicht der heldenhafte neue Doktor, der – durch einen dummen Zufall natürlich – gerade vor Ort ist, weil er mit dem juristischen Berater oder Finanzdirektor – er ist der „Fiesling“ in der Truppe, der in angedeutete finstere Machenschaften verwickelt ist – etwas Wichtiges zu beraten hat. Selbstverständlich ist der neue Doktor ein psychisches Wrack, mehr oder minder. Jener neue Doktor vertritt selbst redend eine ganz eigene Meinung und entgegen des Rates zweier Kollegen verweigert Frau Dr. Lindner die Amputation des Beines ihres Jüngsten. Muttergefühl kontra Arzt. Dass der neue Doktor Recht hatte, steht nicht wirklich zur Debatte. Allerdings hat dies Folgen. Der neue Doktor bekommt die Stelle, auf die Dr. Lindners Sohn selbst spekuliert hat. Zwischen beiden Männern kommt es natürlich zu Kompetenzgerangel. Warum auch nicht?

Kurioserweise erholt sich der arme, fast amputierte Junge sehr sehr sehr schnell. Nicht einmal eine Verstauchung heilt so schnell ab. Aber, ich bin keine Medizinerin, was weiß ich schon davon. 😉

Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, warum sich ZDF an solchen Daily Soaps versucht. Es ist bei weitem keine Schwarzwaldklinik und an die ARD-Erfolgsserie „IN aller Freundschaft“ wird sie vermutlich auch nicht heranreichen. Es wäre eventuell zu überlegen, nicht einen festen Sendeplatz an einem Wochentag zu veranschlagen, die Drehbücher noch einmal in Hinblick Tiefe, Zwischenmenschlichkeit und Logik zu überarbeiten. Wenn sich eine berühmte Fachkraft für Wiederherstellungschirurgie, die – offensichtlich anhand ihrer Bewerbung und ihres Rufe – ein Faible für doch eher kosmetische Chirurgie besitzt, auf eine Stelle für einen noch nicht existenten Fachbereich bewirbt, muss etwas im Busch sein. So naiv, wie die Frau Dr. Lindner in dieser Situation reagiert, schien mir der Charakter gar nicht angelegt. Zweifel wären angebracht, ebenso Erkundigungen und Recherche, zumal es auf Empfehlung eines Juristen kam.

Die Rollen scheinen nicht nur klar verteilt zu sein, sie sind es. Ich habe keinen blassen Schimmer – wobei ich gestehen muss, einige Tage gemacht haben zu müssen -, ob sie die hölzerne Schauspielerin, welche eine der Krankenschwestern darstellen sollte, ausgetauscht oder eingespart haben oder ob sie lediglich in den letzten beiden Folgen, welche ich sah, keinen Auftritt hatte.

Achso, ich vergaß, eine „So gut wie“-Vergewaltigung gab es auch schon.

Ein Urteil kann und werde ich mir nicht erlauben. Ich mag die Sendung einfach nicht. Sie ist mir zu dünn, zu hastig und zu langsam – das schließt sich nicht aus. Auch wenn die Regel bei Serien heißt, dass sie stets einige Folgen als Anlauf brauchen, um zum einen ihr Klientel zu finden und zum anderen, auszuloten, wohin sie eigentlich wollen, klappt es bei dieser Serie nicht. Ihr Problem: Sie kommt täglich, bis aufs Wochenende.

Arztserien, wie „ER“, „Dr. House“ … „In aller Freundschaft“ funktionieren, weil sie eben nicht täglich kamen und kommen. Der Zuschauer hatte und hat stets das Gefühl, dass eine Episode abgeschlossen ist. Es gibt eine oder zwei konstante Größen, die über die Personnage funktionieren und den Zuschauer bei der Stange halten. Allerdings: Man wird weder übersättigt noch gehetzt. Doch gerade das Übersättigtsein und die Hektik machen diese Serie irgendwie langweilig.

Besonders aufgefallen ist mir einiges an Unlogik: Wieso schaut die Assistenzärztin so verärgert, verstimmt, angesäuert und betrogen, als sie erfährt, dass der neue Chefarzt eine Frau hat und diese in der Klinik auftaucht? Nirgendwo war im Plot angedeutet worden, dass die Assistenzärztin am neuen Arzt interessiert ist. Sie hat weder einen Grund, angesäuert zu reagieren, noch die enttäuschte und betrogene Liebhaberin zu spielen, zumal die Hochzeit lediglich aufgeschoben und nicht aufgehoben wurde.

Also in der Serie stimmt so einiges nicht. Und ich bleibe dabei: Ich bin mir nicht sicher, ob es am allgemeinen Plot liegt, an der Wahrscheinlichkeit, dass zu viele Autoren am Plot dichten oder aber an der teils sehr schlechten Leistung der Schauspieler. Letzteres möchte ich mit Vorsicht schreiben, da ich in diesem Metier nicht zu hause bin und daher möglicherweise etwas falsch sehen und interpretieren könnte. Natürlich ist es weder ein Shakespeare noch ein Goethe oder oder, doch ein wenig mehr Einfühlungsvermögen in die Charaktere wäre schon von Vorteil, sonst wirken sie – wie bisher – blank, stereotyp und das im negativsten aller Fälle.

Vielleicht noch ein kurzer Satz, der meine Einschätzung relativeren mag. Ich bin kein Fan von Daily Soaps, mit „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ kann man mich jagen, „Unter uns“ ist mir ein ewiges Rätsel, „Verbotene Liebe“ ja, soll im ARD laufen, „Marienhof“ und „Lindenstraße“ nur dem Namen nach bekannt. Womöglich fällt meine Kritik auch so harsch aus, weil ich eben nicht der Daily-Soap-Konsument bin und mit viel zu großen Erwartungen an die Sache herangegangen bin. Wenn letzteres der Fall ist: Die Fernseh-Götter mögen es mir verzeihen.